Ty and his Shaggy Cats
 

Der jährliche Shot – mehr Gewohnheit als Wissenschaft



Warum Katzen in den USA nicht mehr jedes Jahr geimpft werden
und warum unsere Katzen auch nicht jährlich geimpft werden müssen

Von Monika Peichl

Jahrzehntelang ist es uns Tierhalterinnen und Tierhaltern eingebimst worden: Katzen müssen jährlich geimpft werden. Doch dafür gibt es überhaupt keine wissenschaftliche Rechtfertigung. In den USA haben verantwortungsbewußte Hochschul-Tierärzte diese unseriöse Impfpraxis schon vor über zehn Jahren kritisiert, und zwar in einem weitverbreiteten Handbuch für den praktischen Tierarzt („Kirk’s Current Veterinary Therapy“). Aber auch dort dauerte es bis Ende 1997, bis die zuständigen Veterinärverbände dem Unfug der jährlichen Impferei ein Ende bereiteten und neue Impfrichtlinien einführten.

Die meisten deutschen Tierärzte haben inzwischen davon gehört, viele ignorieren aber die wohlfundierten Aussagen der US-Forscher nach Kräften. Veterinäre, die weniger oft impfen, bilden hierzulande eine Minderheit, sie werden von Kollegen angefeindet und sogar bei der Tierärztekammer angeschwärzt. Man hat Angst, Einkünfte zu verlieren: Impfungen bringen 20 bis 40 Prozent des Umsatzes in der durchschnittlichen Kleintierpraxis.

Solange sich die Mehrheit der Tierärzte gegen die wissenschaftlichen Fakten sträubt, müssen wir Tierhalter uns selbst um einen vernünftigen Impfplan für unsere Katzen kümmern. Die Regel sollte, genau wie bei Impfungen an Menschen, lauten: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Wogegen werden Katzen geimpft?

Viele Katzen werden jährlich gegen Katzenschnupfen (Herpes- und Calicivirus) und Katzenseuche (= Panleukopenie; felines Parvovirus) geimpft, Freigänger oft zusätzlich noch gegen das feline Leukämievirus (FeLV, meist „Leukose“ genannt, was aber falsch ist – Leukose ist eine andere Krankheit) und gegen Tollwut. Manche Tierhalter, vor allem Züchter, lassen außerdem gegen Chlamydien (einen Erreger, der vor allem die Augen angreifen kann) und gegen die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) impfen. Viele Wohnungskatzen werden jährlich mindestens dreifach geimpft, Freigänger häufig fünffach und Zuchtkatzen fünf- bis sechsfach.

Wieso wird überhaupt jährlich geimpft?

Die herrschenden Impfpläne sind das Resultat von Geschäftemacherei sowie Ignoranz und Desinteresse.

Angefangen hat alles mit der Tollwutimpfung. Früher wurden vor allem Hunde mit einer Lebendvakzine gegen Tollwut geimpft. Sie erwies sich als zu gefährlich, weil das Impfvirus wieder aktiv werden und die Krankheit im Impfling hervorrufen kann. Als die ersten inaktivierten oder Totvakzinen entwickelt wurden, wurde festgestellt, daß auch sie mehrere Jahre Schutz bewirken. Trotzdem ist in der Tollwutverordnung festgeschrieben, daß Hunde und Katzen mit Freilauf in tollwutgefährdeten Bezirken eine jährliche Auffrischung bekommen müssen. Dem Gesetzgeber ging es begreiflicherweise darum, die Menschen so gut wie möglich vor dieser Krankheit zu schützen. Daher wurde das sehr enge Impfintervall festgelegt. (Mehr zur Tollwut weiter unten.)

Die Tollwutimpfung gilt als Taktgeber für die anderen Impfungen, die im Laufe der Zeit entwickelt und an den Markt gebracht wurden. Der erste Impfstoff speziell für Katzen war der gegen die Katzenseuche. Interessanterweise ging man in der 50er Jahren noch ganz selbstverständlich davon aus, daß die einmalige Gabe des damals verfügbaren Impfstoffs die Katze für den Rest ihres Lebens schützt. Das kann man in alten Lehrbüchern sehr schön nachlesen. Dieses Wissen scheint der Tiermedizin seither abhanden gekommen zu sein. Denn als später weitere Impfstoffe entwickelt wurden, wurden sie einfach mit der Vorschrift der jährlichen Auffrischung auf den Markt gebracht.

Wer bestimmt, was im Beipackzettel steht?

Im Beipackzettel, in der Gebrauchsinformation zu den Impfstoffen, steht immer: „Jährliche Auffrischung der Impfung wird empfohlen“. Wer entscheidet eigentlich, was im Beipackzettel zum Revakzinierungsintervall steht? Antwort: der Impfstoffhersteller selbst. Die Zulassungsbehörde für Tiervakzinen, das Paul-Ehrlich-Institut, schreibt dem Hersteller diesbezüglich gar nichts vor. Und die Zulassungs- und Testvorschriften für die einzelnen Vakzinen (die „Monographien“ im „Europäischen Arzneibuch“) machen nicht die geringsten Vorgaben zur Prüfung der Dauer des Immunschutzes. Verlangt werden nur Untersuchungen zur Wirksamkeit und Unschädlichkeit eines Impfstoffs, nicht zur Schutzdauer.

Diese Lücke wird von der Industrie gern und eifrig genutzt – und viele Tierärzte haben natürlich auch keine Einwände, denn die Impfungen sichern ihnen den regelmäßigen Zustrom der Patienten. Es gibt in Deutschland ein paar Produkte für Hunde und Katzen, bei denen eine zweijährliche Auffrischung „empfohlen“ wird. Aber auch dieses Intervall ist willkürlich festgelegt und nicht immunologisch begründet.

Wie ist das eigentlich bei Impfungen am Menschen?

Bei Humanvakzinen wird die Dauer des Immunschutzes sehr wohl geprüft, und zwar durch Antikörpermessungen an Tausenden Impflingen. Aber Antikörper sind nicht alles. Grundsätzlich geht man davon aus, daß Impfstoffe gegen Viren und Bakterien ein lang anhaltendes „Immungedächtnis“ erzeugen. Nicht bei allen Impfstoffen halten sich die Antikörper über längere Zeit, doch das heißt nicht, daß der Schutz verschwindet. Es gibt außer der „humoralen“ Immunität mit den Antikörpern auch noch die „zelluläre“ Immunität. Abwehrzellen, die einmal mit einem Erreger oder Impf-Antigen zu tun hatten, bleiben viele Jahre bis lebenslang erhalten und werden schnell aktiv, wenn der Erreger auftritt. Sie setzen andere Abwehrzellen in Aktion, so daß eine ganze Kaskade von Immunreaktionen abläuft.

Das ist bei Kleinsäugern kein bißchen anders. Auch Katzen, Hunde usw. verfügen über Gedächtnisimmunzellen und zelluläre Immunität.

Menschen werden als Kinder gegen eine Reihe von Krankheitserregern geimpft. Die Impfungen werden meist ein-, zwei- oder dreimal wiederholt. Werden Totvakzinen verwendet, müssen sie zweimal gegeben werden, damit eine volle Immunreaktion erzielt wird. Bei Lebendvakzinen wäre eine Wiederholung an sich nicht nötig, sie wird aber gemacht, um die paar Prozent Impfversager zu erwischen, also Kinder, bei denen die erste oder zweite Impfung nicht angeschlagen hat. Beispiel: die Masern-Mumps-Röteln-Impfung.

Im Jugendalter ist beim Menschen aber dann Schluß mit Routineimpfungen. Erwachsene werden nur dann nachgeimpft, wenn ein besonderes Ansteckungsrisiko anzunehmen ist (zum Beispiel auf Reisen oder durch den Beruf: Hepatitis B, Polio) oder wenn die Impfung keinen lebenslangen Schutz bietet (alle zehn Jahre Tetanus und Diphtherie). Man spricht hier von „Indikationsimpfungen“: Aufgefrischt wird nur bei Bedarf und nur in langjährigen Abständen – und nicht einfach so, weil der Doktor noch mal was verdienen will.

Das ist bei unseren Haustieren leider anders. Sie werden nachgeimpft, ohne daß es dafür einen medizinischen Grund gäbe.

Geben jährliche Wiederholungen nicht doch besseren Schutz?

Nein, nicht einmal das ist der Fall. In Untersuchungen wurde gezeigt: Die Auffrischungen bringen keinen zusätzlichen Schutz. Die Antikörpertiter steigen gar nicht signifikant an, wenn nachgeimpft wird – die vorhandenen Antikörper stürzen sich auf die Antigene im Impfstoff und machen sie unschädlich, neue Antikörper werden kaum gebildet. Es bleibt praktisch alles beim alten.

Schaden jährliche Auffrischimpfungen?

Das ist der kritische Punkt: Die dauernde Impferei ist nicht nur medizinisch unnötig, sie kann auch schaden. Bei uns streiten das allerdings viele Tierärzte einfach ab.

Tödlicher Krebs durch Impfungen

Katzen können durch Impfungen an Krebs erkranken, und zwar am vakzine-assoziierten Fibrosarkom, auch Impfsarkom genannt. Das ist eine bösartige Geschwulst, die ein paar Wochen oder Monate nach einer Impfung an der Injektionsstelle – meist zwischen den Schulterblättern oder an der seitlichen Brustwand – als Knubbel (Granulom) unter dem Fell auftritt und sehr breit wuchern kann. In der US-Veterinärmedizin wird der Zusammenhang von Impfung und Sarkomentstehung bei Katzen nicht mehr ernsthaft bezweifelt. In Deutschland neigt man dazu, das Thema herunterzuspielen. Doch kürzlich bezifferte der Kleintieronkologe Dr. Martin Kessler auf einem Tierärztekongreß in Berlin die Risikowahrscheinlichkeit hierzulande mit 1 zu 1000. Die meisten Sarkomkatzen sind zum Zeitpunkt der Erkrankung zwischen sechs und elf Jahre alt, haben somit schon viele Shots erhalten. Es trifft allerdings auch jüngere Katzen.

Behandelt werden kann das Impfsarkom bisher nur durch radikale Operation weit ins gesunde Gewebe hinein. Nach der Operation treten fast immer Rezidive auf, also neues Tumorwachstum. Die Geschwulst führt in den allermeisten Fällen zum Tode.

Wie kann man das Impfsarkom verhüten?

Die beste Vorsorge ist, die Katze nicht häufiger als nötig impfen zu lassen. Wichtig ist, daß die Kätzchen geimpft werden, denn sie sind am empfänglichsten für Infektionskrankheiten. Doch ausgewachsene Tiere sind von Infektionen weit weniger bedroht, als man uns weismachen will.

Neben den verlängerten Impfintervallen, wie sie in den USA üblich geworden sind, lassen sich weitere Vorsichtsmaßnahmen treffen. Die Vaccine-Associated Feline Sarcoma Task Force, die Impfsarkom-Arbeitsgruppe der US-Veterinäre, hat dazu Richtlinien erarbeitet.

Auf Mischspritzen und Mehrfach-Vakzinen soll weitgehend verzichtet werden. Das heißt, es sollen nicht alle Impfungen mit einer einzigen Spritze und an einer einzigen Stelle gegeben werden, auch wenn es für Tierarzt und Patient so am bequemsten ist und am schnellsten geht. Je mehr Vakzinen auf einmal, desto höher das Sarkomrisiko. Die Impfung gegen Seuche und Schnupfen soll an der seitlichen Brustwand verabreicht werden, die Impfung gegen Tollwut am rechten Hinterbein (rabies = r = rechts) und die Impfung gegen das feline Leukämievirus (FeLV) am linken Hinterbein (LV = l = links). Ein Bein kann zur Not amputiert werden, um dem Tumorwachstum Einhalt zu gebieten. Katzen können auf drei Beinen prima leben. Zwischen den Schultern sollte überhaupt nicht mehr geimpft werden, da man einen Tumor dort nur sehr schlecht operieren kann.

Bei uns wird noch häufig zwischen den Schultern geimpft. Fallen Sie dem Arzt in den Arm, wenn er die Spritze dort ansetzt!

Können Sarkome auch andere Ursachen haben?

Nicht jedes Sarkom entsteht durch Impfungen, aber doch sehr viele. Manche dieser Tumore bilden sich an Stellen, an denen ganz andere Wirkstoffe injiziert wurden. Einige US-Spezialisten für Krebserkrankungen der Kleintiere sprechen daher gar nicht vom Impfsarkom, sondern vom injection-site sarcoma, also Injektionsstellen-Sarkom. In der Forschungsliteratur beschrieben sind Sarkome nach Injektion des Flohmittels Lufenuron (Handelsname Program) und nach Injektion von Antibiotika gegen Gastritis. Doch diese Fälle sind selten, fast immer handelt es sich um Impfspritzen.

Katzen reagieren auf Injektionen empfindlicher als andere Kleintiere. Hat eine Katze nach Impfungen oder sonstigen Injektionen bereits einmal einen Knubbel entwickelt, sollte sie nur dann Spritzen bekommen, wenn sich der Wirkstoff nicht anders verabreichen läßt. Längst nicht jede Katze entwickelt Granulome nach (Impf-) Injektionen, und längst nicht jeder Knubbel ist ein Sarkom. Daher sollte man sich nicht gleich verrückt machen, wenn eine Katze so eine Gewebsverdickung bekommt. Aber man sollte, vor allem wenn es eine Impfstelle ist, auch nicht zu lange warten und beizeiten eine Gewebsprobe entnehmen lassen, am besten gleich in einer Tierklinik. Drei Monate abzuwarten kann sich als fatal herausstellen, in den USA rät man zur frühzeitigen Biopsie.

Gibt es noch andere Impfschäden?

Allerdings. Besonders gravierend ist der anaphylaktische Schock unmittelbar nach der Impfung. Er ist tödlich, wenn er nicht sofort vom Tierarzt behandelt wird.

Bekannt sind außerdem schwere allergische Reaktionen nach Auffrischimpfungen. Sie äußern sich in (blutigem) Durchfall und Erbrechen und können die Tiere ebenfalls das Leben kosten.

Weniger schwere, aber dafür sehr hartnäckige Allergien können nach allen Impfungen entstehen, weil sie beim Jungtier in das noch nicht ausgereifte Immunsystem eingreifen: Sie stören die Feinabstimmung der Abwehr.

Impfungen können auch Autoimmunerkrankungen verursachen, bei Katzen ist dies jedoch noch wenig erforscht. Eine neue US-Studie liefert starke Indizien dafür, daß Impfungen chronische Niereninsuffizienz auslösen können. Viele Impfstoffe werden, vereinfacht gesagt, mit Katzennierenzellkulturen hergestellt. Wird die Vakzine injiziert, gelangt Protein von diesen Nierenzellen in den Impfling, der dagegen Antikörper bildet – aber nicht nur gegen dieses fremde Nierenprotein, sondern auch gegen die eigenen Nieren, also sogenannte Autoantikörper. Und das kann zur fortschreitenden und schließlich tödlichen Zerstörung der Nieren führen. - Weitere Studien dazu sind im Gange.

Daß immer mehr Katzen an Epilepsie und Diabetes erkranken, sollte in diesem Zusammenhang ebenfalls zu denken geben. Beim Hund steht fest, daß die in mindestens 50 Prozent der Fälle tödliche autoimmunhämolytische Anämie, eine Blutkrankheit, durch Impfungen verursacht werden kann.

Wie wird denn jetzt in den USA geimpft?

Das neue Katzen-Impfschema der US-Tierarztverbände sieht so aus: - Grundimmunisierung im Welpenalter (nach der achten Lebenswoche zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen), - eine Wiederholungsimpfung mit einem Jahr - und dann nur noch alle drei Jahre. Gegen welche Erreger geimpft wird, richtet sich nach der Haltung (Wohnung oder Freigang).

Woher wissen die US-Tierärzte, daß das genügt?

Wie oben schon gesagt: Das Immunsystem der Kleinsäuger ist dem des Menschen absolut ebenbürtig. Wenn Impfungen beim Menschen viele Jahre halten, dann ist das bei Katz und Hund und Kaninchen nicht anders.

Außerdem haben Wissenschaftler in den 90er Jahren Langzeitstudien an Katzen gemacht mit einem ganz gewöhnlichen Dreifach-Totimpfstoff gegen Schnupfen und Seuche.

Die Tiere erhielten als Welpen mit acht und mit zwölf Wochen eine Grundimmunisierung und wurden danach nie wieder geimpft. Sie wiesen noch siebeneinhalb Jahre später, als sie mit Erregern infiziert wurden, einen guten Immunschutz auf. Der Schutz gegen Katzenseuche erwies sich als hundertprozentig, der Schutz gegen Herpes- und Calicivirus betrug 52, resp. 63 Prozent. Die Schnupfen-Impfung verhinderte nicht vollständig die Erkrankung, doch dies ist bei frisch vakzinierten oder revakzinierten Katzen nicht anders. Diese Impfung kann die Ansteckung oft nicht verhindern, sie mildert aber den Krankheitsverlauf. In der ungeimpften Kontrollgruppe dieser Studie erkrankten einige Tiere sehr schwer.

Eine neue Studie vom Januar 2001 unterstützt diese Ergebnisse. Wissenschaftler bestimmten bei einer großen Zahl von Laborkatzen und von Katzen aus normaler Privathaltung Seuche- und Schnupfen-Impftiter. Bei einigen Gruppen von Laborkatzen wurde darüber hinaus durch Testinfektionen geprüft, wie verläßlich bestimmte Titerhöhen sind. Ergebnis dieser Untersuchungen: Die Tiere sind gegen diese Krankheiten geschützt, wenn sie geimpft sind – unabhängig von der Art des Impfstoffs und, vor allem, unabhängig davon, wie lange die letzte Impfung zurückliegt.

Diese Ergebnisse sind nun sogar durch einen Impfstoffhersteller bestätigt worden. Pfizer Animal Health USA hat im Janur 2004 eine Studie über die Dauer des Immunschutzes (bestimmt durch Antikörpermessung) für den Pfizer-Impfstoff gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen veröffentlicht. Ergebnisse: Die Katzen hatten vier Jahre und länger noch Impfantikörper. Der Tierimpfstoffhersteller Pfizer Deutschland scheint es nicht eilig zu haben, diese Erkenntnisse seiner amerikanischen Muttergesellschaft in Deutschland publik zu machen.

Welche Impfungen sollten Wohnungskatzen haben?

Wohnungskatzen haben ein ziemlich geringes Risiko, sich eine Infektionskrankheit einzufangen. Es ist zwar richtig, daß der Mensch die Seuche einschleppen kann, weil sich das feline Parvovirus sehr lange in der Umgebung hält. Doch die Seucheimpfung ist die beste, die wirksamste Katzenimpfung überhaupt: Ein Tier, das als Welpe ordentlich grundimmunisiert wurde, ist dadurch sehr lange geschützt, wahrscheinlich lebenslang. Außerdem: Die meisten Erreger sind für Jungtiere gefährlich oder sogar tödlich, ausgewachsene Tiere in gutem Allgemeinzustand werden damit viel besser fertig.

Die Schnupfenimpfung hingegen ist längst nicht so gut. Viele durchgeimpfte Tiere sind Virusträger, sie sind also mit Herpes, vor allem aber mit Calici infiziert und scheiden das Virus aus. Wenn man die hohe Zahl durchgeimpfter Katzen sieht, die trotz ihrer vielen Shots chronisch schnupfenkrank wurden, kann man über diese Impfung sehr ins Grübeln kommen. Das Calicivirus ist seit Einführung der Impfung sogar deutlich häufiger geworden als davor. Es ist in der Wissenschaft schon lange bekannt, daß die vorhandenen Calici-Impfstoffe gegen die grassierenden Feldvirusstämme immer weniger ausrichten. Darüber hinaus können Caliciviren aus Lebendimpfstoffen wieder virulent, dh gefährlich werden, von Tier zu Tier übertragen werden und Epidemien in (wohlgemerkt: durchgeimpften) Katzenzuchten oder Tierheimen auslösen.

Die Welpenimpfung schadet im allgemeinen nicht, man sollte aber überlegen, ob man ausgewachsene Tiere weiterhin dagegen impfen läßt. Wichtig ist, ganz junge Kätzchen nach Möglichkeit von Artgenossen fernzuhalten, die an Schnupfehn erkrankt sind.

In manchen Schnupfenvakzinen ist auch ein Impfstoff gegen Chlamydien enthalten, einen bakteriellen Erreger. In Tierheimen und Zuchten können Chlamydien recht hartnäckig umgehen. Die Impfung ist jedoch nicht der Königsweg, den Erreger loszuwerden, wie sich immer wieder zeigt. Bestandsmanagement bringt nachhaltigeren Erfolg. Außerdem gilt dieser Impfstoff als besonders nebenwirkungsträchtig.

Die US-Tierarztverbände empfehlen für Wohnungskatzen: im Welpenalter Seuche- und Schnupfen-Grundimmunisierung (ohne Chlamydien), dann mit einem Jahr eine Auffrischung, danach nur noch alle drei Jahre. Aber auch dieses Drei-Jahres-Intervall ist mehr durch die wirtschaftlichen Interessen der Tierärzte begründet als durch medizinische Erfordernisse. Denn diese Impfungen halten, wie man ja inzwischen weiß, länger als drei Jahre.

Welche Impfungen sollten Freigänger haben?

Zusätzlich zur Seuche-Schnupfen-Impfung werden Freigänger oft gegen FeLV geimpft. Der Impfling muß vorher getestet werden, ob er FeLV-negativ ist, nur dann darf er geimpft werden. Auch dieser Schutz braucht nicht lebenslang erneuert zu werden. Es spricht vieles dafür, daß man die Impfung beim ausgewachsenen Tier weglassen kann – erstens, weil der Immunschutz ebenfalls viel länger hält als ein Jahr, zweitens, weil adulte Katzen eine gute körpereigene Abwehr gegen den Erreger haben. FeLV-Impfstoffe sind überdurchschnittlich häufig an der Sarkomentstehung beteiligt, daher ist vorsichtiger Umgang mit dieser Impfung anzuraten. In Gegenden, wo es keine unkastrierten und ungeimpften Streuner gibt, ist das Ansteckungsrisiko sehr gering, denn sie sind die Hauptüberträger. Neuzugänge von unklarem Gesundheits- und Impfstatus sollten erst in Quarantäne kommen und getestet werden auf FeLV sowie auf „Katzenaids“, die FIV-Infektion, gegen die es in Europa noch keinen Impfstoff gibt. (In den USA ist im Frühjahr 2002 eine erste FIV-Vakzine zugelassen worden. Ihre Wirksamkeit wird aber von US-Veterinärmedizinern aus triftigen Gründen stark bezweifelt, und viele lehnen das Produkt entschieden ab.)

Was ist von der FIP-Impfung zu halten?

Die Impfung gegen die infektiöse Peritonitis ist auch hierzulande unter Tierärzten wegen mangelhafter Wirksamkeit umstritten. Vor allem Züchter wenden sie an. Die meisten Katzen sind schon mit Corona infiziert – ohne davon krank zu sein –, so daß die Impfung bei ihnen sowieso sinnlos wäre. Corona-Infektion heißt überhaupt nicht, daß eine Katze FIP bekommen muß – das geschieht zum Glück nur selten und trifft meistens Jungtiere in Streßsituationen. FIP ist nicht von Katze zu Katze übertragbar. In einer deutschen Studie mit jungen und ausgewachsenen Katzen unter Tierheimbedingungen zeigte sich, daß der Impfstoff die zuvor corona-negativen Kätzchen nicht vor FIP schützte, im Gegenteil, von den 20 geimpften erkrankten 12, das waren mehr als bei den ungeimpften (10 von 20).

Wie soll man es mit der Tollwutimpfung halten?

Die Tollwutimpfung an Haustieren dient in erster Linie dazu, den Menschen vor dieser tödlichen Krankheit zu schützen. Menschen sind vor allem durch die urbane Tollwut, dh die Tollwut der Hunde gefährdet. Die ist aber bei uns seit Jahrzehnten ausgerottet, wir haben nur noch die silvatische Tollwut = Fuchstollwut und seltene Fälle von Fledermaus-Tollwut. Die Fuchstollwut steht vor ihrer Ausrottung, große Teile Deutschlands sind frei davon. In tollwutfreien Gebieten kann man auch bei Freigängern auf die jährliche Impfung verzichten, die ebenfalls ein erhöhtes Sarkomrisiko birgt.

Leider gibt es, anders als in den USA, hierzulande keine offiziell als solche ausgewiesenen Drei-Jahres-Tollwutvakzinen. Doch die hier erhältlichen Produkte bieten ebenfalls weit länger als ein Jahr Schutz. Titeruntersuchungen an geimpften Tieren zeigen das auch immer wieder. (Und Herstellerdaten, zum Beispiel zum Impfstoff Rabdomun – die damit geimpften Katzen waren noch 48 Monate später zu 100 Prozent geschützt, wie die Testinfektion erwies.)

Bei grenzüberschreitenden Reisen mit der Katze wird meist ein Impfnachweis verlangt.

Unsinnig erscheint, daß Ausstellungstiere laut Tollwutverordnung jährlich geimpft werden müssen. Zuchtkatzen leben in der Regel im Haus, allenfalls noch im Garten, und haben daher ein sehr geringes Ansteckungsrisiko. Zu überlegen wäre, ob man statt jährlicher Revakzinierung den Schutz lieber durch eine Blutuntersuchung nachweisen läßt. Bei der Tollwutimpfung gibt der Antikörpertiter zuverlässig Aufschluß darüber, ob noch Immunität besteht oder nicht.

Muß man jetzt nicht mehr jährlich zum Tierarzt?

Auf jährliche Impfungen zu verzichten darf nicht heißen, daß die Katze nicht mehr regelmäßig zum Tierarzt kommt. Vor allem ältere Tiere sollten regelmäßig gründlich untersucht werden. Es sollte uns nicht ums Sparen gehen, sondern um sinnvolle Gesundheitsvorsorge.
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Zum Schluß noch zwei Zitate von Professor Ronald D. Schultz, Veterinärimmunologe an der Universität von Wisconsin in Madison:

„Die Empfehlung, (Haustiere) jährlich zu impfen, wird immer weniger akzeptabel angesichts der steigenden Zahl der Nebenwirkungen, vor allem solcher, die eine schwere Erkrankung verursachen oder gar den Tod, und angesichts der wachsenden Zahl der verfügbaren Impfstoffe.“

„Meine eigenen Haustiere werden als Welpen ein- oder zweimal geimpft und dann nie wieder, mit Ausnahme der Tollwut-Impfung, die alle drei Jahre gegeben wird, seit ein Drei-Jahres-Produkt erhältlich ist. Ich verfahre nach diesem Programm seit 1974, und es ist weder bei meinen Haustieren noch bei den Haustieren meiner Kinder und Enkel jemals eine Infektionskrankheit aufgetreten.“

Eine ausführliche, allerdings etwas ältere Version dieses Textes (mit Quellen-Angaben) finden Sie hier: www.barfers.de/cats/peichlHF.htm

Wer Englisch kann, sollte sich diese interessante US-Tierarzt-Website ansehen: www.critterfixer.com (mit Foto einer Impfsarkom-Katze)

Reichhaltigste Information über das Impfsarkom und Impfungen finden Sie auf der Website von Coleen und Jeff Kremer, die sich seit dem Sarkom-Tod ihrer Katze Sylvia bemühen, andere Tierhalter aufzuklären (in Englisch): www.catshots.com

Weitere englischsprachige Websites zum Thema:

www.cvmbs.colostate.edu (Impfplan der Veterinärklinik an der Colorado State University, mit Angabe der verwendeten Impfprodukte und mit Literaturliste)
www.maxshouse.com/vaccines.htm (Impfplan der Cornell University)
www.avma.org/vafstf (Informationen zum Impfsarkom)
www.api4animals.org/default.asp?ID=558 (1998er Impf-Report der US-Tierarztverbände AAFP und AFM mit den neuen Richtlinien sowie ausführlicher Darstellung der Infektionskrankheiten und Begründung der verlängerten Impfintervalle)
www.geocities.com/~kremersark/aafp.html (AAFP/AFM-Report 2000, im wesentlichen Ergänzungen zum ersten Report, zum Beispiel zur Frage der Tierarzthaftung)

Copyright 2002, 2003, 2004: Monika Peichl
Mopeichl@aol.com
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Anna &
www.shaggy-cats.de www.mein-coon.de www.tydie.de